6000 Meilen auf den Spuren des alten Amerika – ein Reisebericht

Diese Reise gehört zu den schönsten Erinnerungen. Ich danke Chris für sein Tagebuch, meinem Freund Robert für die Fotos und meinem anderen Freund Robert für alles, was er für uns möglich gemacht hat. Ihr seid fantastische Reisegefährten und ich hoffe, wir machen das bald wieder.

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19. September 2012: Es war eine lange Reise. Nachdem wir um 07:15 Uhr von Roberts zu Hause aufbrachen, kamen wir um 16:00 Uhr Ortszeit in Philadelphia an. Dort erhielten wir unseren Mietwagen (einen Chevrolet). Die Suche nach unserer Unterkunft gestaltete sich zu einer unfreiwilligen Stadtrundfahrt bei Nacht. Wir kreuzten mehrfach den Delaware River und ich stelle mir vor, wie es wohl früher hier ausah. Der weiße Mann hat wirklich eine Gabe, schöne Dinge zu zerstören.

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20. September 2012: Der erste volle Tag in der Neuen Welt. Nach dem Frühstück sowie dem Bezug eines neuen Quartiers unternahmen Robert und ich einen Ausflug in den Nachbarstaat Delaware. Die Landschaft erinnert mich ein wenig an zu Hause. Wir besuchten ein Museum der Nanticoke Indianer. Dieser Stamm sagt nur wenigen etwas. Sie lebten in alter Zeit in Nachbarschaft zu den Delawares. Zwei sehr nette Führer bereicherten uns mit Wissen zu den Exponaten.
Im Anschluss fuhren wir zur Delaware Bay und überquerten die Delaware Seashore Bridge.

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Am Abend unternahmen wir einen Ausflug in das Nachtleben von Philadelphia und probierten unser erstes Philly Cheese Steak.

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21. September 2012: Nach dem Frühstück brachen wir gegen halb acht auf, um die nächste Etappe unserer Reise zu meistern. Wir fuhren von Pittsburgh. Unterwegs überquerten wir mehrere Flüsse, darunter den Susquehanna.

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Am Nachmittag erreichten wir Pittsburgh. Dort besichtigten wir das neu eröffnete Fort Pitt Museum.

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Im Anschluss fuhren wir nach Gnadenhütten in Ohio, eine ehemalige Herrnhuter Missionssiedlung, wo 1782, während des Unabhängigkeitskrieges 100 Delaware Indianer einen grausamen und sinnlosen Tod starben. Die Atmosphäre im Dämmerlicht berührte uns sehr und wir legten Tabak nieder.

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22. September 2012: Heute regnete es. Wir verließen Macedonia, wo wir die Nacht verbracht hatten. Gegen etwa 11:00 Uhr legten wir im strömenden Regen eine Pause am Lake Erie See ein. Trotz des verhangenen Himmels war die Weite des Sees beeindruckend. Wie friedlich es hier einst gewesen sein muss.

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Unser nächstes Ziel waren die Niagara Fälle. Was für ein majestätischer Anblick! Das Wasser donnert mit einer Urgewalt hinab, wie schon vor tausenden Jahren.

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Leider kamen wir zu spät, um das alte Fort Niagara zu besichtigen.

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Schließlich überquerten wir die Grenze nach Kanada und erreichten gegen Abend die Grand River Reservation in Ontario, wo wir uns mit einer Freundin von Robert, Michelle, einer Mohawk, trafen. Wir übernachteten im „Bear’s Inn“ – einem wundervollen Blockhaus.

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23. September 2012: Wir unternahmen Streifzüge durch das Reservat und deckten uns mit Mitbringseln ein.  Wir besuchten auch „Kanata“, wo ein traditionelles Langhaus steht und wir eine Ahnung davon bekamen, wie die Menschen hier früher lebten.

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Am Abend waren wir bei Michelle und ihrer Familie zum Essen eingeladen. Es gab traditionelles Essen – einfach köstlich!

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Doch die echte Überraschung kam erst: Michelles Söhne luden uns ein, mit ihnen LaCrosse zu spielen, ein Spiel, dass die Six Nations einst zu Ehren ihres Schöpfers spielten. Bis heute sind sie unschlagbar darin. Wir stellten uns nicht sonderlich geschickt an, hatten aber jede Menge Spaß und zum Abschied schenkten sie uns die T-Shirts ihrer Teams.

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24. September 2012: Wir fuhren weiter Richtung Westen nach Moraviantown, wo bis heute eine Gruppe Delaware lebt. Zuerst brachten wir unser Gepäck unter. Diese Nacht verbrachten wir ebenfalls in einer Blockhütte –allerdings einer modernen, mit Erdwärmeheizung und eigenem Solarstrom.

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Danach fuhren wir zu dem traditionellen Delaware Dorf, das engagierte Mitglieder des Stammes dort wie in alter Zeit errichtet haben. Es war wie eine Zeitreise, als die mit Birkenrinde gedeckten Hütten auf einmal hinter der Biegung des Flusses auftauchten. Es ist faszinierend, was sie dort auf die Beine gestellt haben.

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Der Chief und der Stammeshistoriker erzählten uns viele bewegende Geschichten. Ganz hier in der Nähe liegt das Schlachtfeld der Battle of the River Thames, wo am 15. 10. 1813 Tecumseh den Tod fand. Wir besuchten auch den Ort, wo sein Grabstein steht.

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Ob er dort wirklich begraben liegt, wissen nur die Indianer. Ein großartiger Besuch!

25. September 2012: Wir bekamen ein umwerfendes Frühstück von unserem Herbergsvater. So lässt es sich leben! Die Sonne scheint und die Landschaft ist weit und wirkt unberührt.

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Am Mittag waren wir wieder in den USA. Wir fuhren nun in Richtung Südwesten, nach Indiana, vorbei am Schlachtfeld von Fallen Timbers. Am Nachmittag erreichten wir Connor Prarie, wo wir uns mit unserem Freund Mike trafen. Wir wurden bereits erwartet und auf das Herzlichste begrüßt. Connor Prarie ist ein gigantisches Freiluftmuseum, in dem auch die Lebensweise der Delaware ein Fleckchen gefunden hat.

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Mike übte mit uns das Tomahawk werfen und wir stellten uns gar nicht so dumm an.

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26. September 2012: Wieder regnet es. Unser nächstes Ziel ist Oklahoma. Wir überqueren den Mississippi und besuchten in St. Louis Debbie und ihren Mann David, die uns mit einem deftigen Essen stärkten. Am späten Abend kamen wir in Miami, in Oklahoma an. Die Luft ist schwül und heiß und die Grillen zirpen. Nach einem kurzen Besuch im Casino fallen wir todmüde ins Bett.

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27. September 2012: Wir machen uns auf den Weg, um in der Cayuga Reservation einige Freunde von Michelle zu treffen. Sie laden uns in das reservatseigene Casino ein und wir haben eine Menge Spaß. Die Gastfreundschaft, die wir auf unserer Reise erleben, ist überwältigend. Auf dem Rückweg begegnen wir ihnen:

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Schließlich geht es nach Bartlesville, wo Jim auf uns wartet. In Bartlesville leben die meisten Delaware, auch wenn es hier kein Reservat gibt. Zum Abendessen kommen einige Mitglieder des Stammes und es wird ein fröhlicher Abend.

28. September 2012: Den Morgen verbringen wir in Woolaroc, einer beeindruckenden Sammlung zu allem rund um Indianer. Unmöglich, sich alles anzusehen!

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Am Abend begannen die Delaware Days, auf denen sogenannte Social Dances stattfinden. Wir tanzten mit und sorgten für viel Lachen. Wie viel Kraft, wie viel Harmonie in den Gesängen und Tänzen steckt. Es war eine unglaubliche Erfahrung! Großes Gelächter gab es, als Chris und Sarah am Ende ein Ständchen gaben. Wir danken den Delaware für ihre große Gastfreundschaft und dieses wundervolle Erlebnis!

29. September 2012: Heute trennt sich unsere Gruppe, Robert und Sarah müssen zurück, für mich und den anderen Robert geht es heute noch einmal zu den Delaware Days. Unsere gemeinsame Reise endet stilgerecht in einem deutschen Restaurant in Tulsa.

30. September 2012: Nun geht es weiter, nach Westen, Richtung New Mexico. Am Nachmittag erreichen wir das Comanche National Museum. Tatsächlich jagt ein Höhepunkt den nächsten, denn am Abend sind wir zu Gast bei einem traditionellen Comanche Powwow. Großartig! Noch am gleichen Abend fahren wir weiter Richtung Texas, wo wir spätnachts ankommen.

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01. Oktober 2012: Weiter geht die Reise, vorbei am Polo Daro Canyon, wo 1875 der letzte Häuptling der Comanche, Quannah Parker von General Mackenzie zur Kapitulation gezwungen wurde. Aus zeitlichen Gründen fahren wir weiter nach New Mexiko. Die wechselnden Landschaften sind sagenhaft schön, endlose, weite Prärie wechselt sich ab mit Felslandschaften. Gegen Nachmittag erreichen wir unser nächstes Etappenziel und besuchen einen alten Freund von Robert in Alberquerque, der sein Leben der Erforschung der Geschichte der Indianer gewidmet hat. Später besuchen wir Bents Old Fort, welches ziemlich original erhalten ist.

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02. 10. 2012: Es geht nach Colorado. Ich bin berührt von so viel Geschichte und Vergangenheit. Das Bewegendste an jenem Tag aber ist der Besuch am Sand Creek Battlefield. Hier mordeten 1864 600 sogenannte Colorado-Freiwillige unter einem religiösen Fanatiker namens Chirington 200 friedliche Southern Cheyenne, in der Mehrzahl Frauen. Man kann kaum glauben, welches Grauen sich an diesem Ort ereignet hat. In der Einöde finden wir kein Hotel und übernachten schließlich im Auto.

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03.10.2012: Die Nächte in der Prärie können kalt werden. Wir haben ordentlich gefroren. Am Vormittag besuchten wir das Schlachtfeld am Rosebud River, wo 1876 Crazy Horse über General Crook siegte, so dass dieser sich nicht mit Custer zusammentun konnte. Wir standen an genau jenen Stellen, an denen die Sioux die Höhen besetzt hatten.

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Am Mittag erreichen wir das geschichtsträchtige Little Big Horn Battlefield. Ich kann noch immer nicht glauben, dass ich wirklich hier bin.  Endlich stand ich am Ort meiner Kinderträume.

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04. 10. 2012: Unser nächstes Ziel war die Fort Peck Reservation der Sioux Assiniboins, wo wir eine befreundete Familie besuchten. In den Gesprächen erfuhren wir viele interessante Details. Übrigens kreuzten wir seit St. Louis bereits mehrfach den Trail, den einst Louis und Clark bei ihrer Expedition nahmen.

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05.10.2012: Unser nächstes Ziel heißt Montana. Wir rasteten am Yellowstone River. Am Nachmittag fuhren wir nach Lame Deer auf die Cheyenne Reservation, wo wir uns mit unseren Patenkindern trafen. Voller Gastfreundschaft wurden wir begrüßt! Wie viel Wärme diese Menschen in ihren Herzen haben!

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06.10.2012: Gemeinsam besuchen wir den Tipi Rocks und den Deer Medicine Rock, auf dem Sitting Bull 1876 vor der Schlacht am Little Big Horn seine Vision vom Sieg über den General empfing. Leider konnten wir diesen Ort nur aus der Ferne sehen. Tipi Rocks hingegen kamen wir viel näher.

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07.10.2012: Wieder einmal verbrachten wir fast den ganzen Tag auf der Straße. Unser nächstes Ziel war South Dakota. Bevor wir unser eigentliches Ziel, die Black Hills ansteuerten, machten wir einen Abstecher zum Devil’s Tower, einem heiligen Berg der Cheyenne, Kiowa, Sioux und andere Stämme. Am Nachmittag erreichten wir Rapid City, wo wir ein weiteres Powwow erlebten und den Urenkel von Sitting Bull besuchten.

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08.10.2012: Der letzte Tag unserer Reise. Fast 6000 Meilen liegen hinter uns und unglaublich viele Erinnerungen. Wir werden wieder kommen!

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